Didaktik gegen „Stammtischparolen“ und für eine differenzbewusste Bildung

Ein Multiplikator*innen-Workshop der Österreichischen Gesellschaft für Politische Bildung in Kooperation mit der Fachhochschule des BFI Wien im Rahmen des Projekts „Diversität und Soziale Kohäsion in der Europäischen Union“.

Diese Veranstaltung findet im Rahmen der Aktionstage Politische Bildung 2022 statt.

Vielfalt, Diversity, Verschiedenheit, Differenz, interkulturell, transkulturell – die letzten Jahrzehnte brachten Begriffe mit sich, die allesamt auf den aktuellen Zustand der nationalstaatlich verfassten Gesellschaften verweisen, dass diese nämlich entgegen der seit Jahrhunderten währenden Annahme keineswegs kulturell homogene, sozial einheitliche Gebilde darstellen. Im Gegenteil scheint Diversität deren gegenwärtiges Wesensmerkmal zu sein. Dieser Befund geht in die Frage über: Wie sollen wir mit der Diversität umgehen, damit einerseits Grundwerte wie Gleichheit und Gerechtigkeit nicht verletzt werden, andererseits aber das soziale Gefüge nicht auseinanderbricht?

Bevor sich die Öffentlichkeit dieser Frage annimmt und in partizipativen Debatten nach Antworten sucht, muss freilich der erste Schritt erfolgt sein – das Anerkennen und Bewusstwerden des Befundes selbst, dass nämlich unsere Gesellschaften durch Diversität gekennzeichnet sind. Davon sind wir allerdings noch weit entfernt. Verschiedenheit wird heute im öffentlichen Kontext eher als Problem begriffen und dargestellt. In den meisten Medien kommen „fremde Kulturen“ und „abweichende Lebensstile“ als Gefahr oder Skandal vor. Vor allem (aber nicht nur) rechtspopulistische Parteien und Politiker*innen rufen zur Abwehr gegen die „Überfremdung“ auf und vermitteln ein reaktionäres Bild von „Differenzen“, etwa in Gender-Verhältnissen. Der Stammtisch seinerseits dient zugleich als Schmiede und Vortragsbühne für menschenfeindliche Parolen ...

Bildung, zumal politische Bildung, kann dazu beitragen, diesem Prozess der „gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ Einhalt zu gebieten. Ideologien, die nicht nur Inhalte transportieren, sondern auch Affekte und Emotionen hervorrufen, kann jedoch ein aufklärerischer Gegendiskurs in der Bildung nicht allein aufhalten. Es bedarf besonderer didaktischer Anstrengungen, Diversität als Wesensmerkmal unserer Gegenwart bewusst zu machen, gerechte und friedliche Formen des Umgangs mit Verschiedenheit herauszuarbeiten und mit erprobten Strategien den „Stammtischparolen“ Paroli zu bieten. Der Workshop stellt dafür einen Raum bereit.

Entlang folgender Arbeitsschritte wird der Workshop durchgeführt:

  • Kennenlernen anhand einer Übung
  • Aktivitäten zur Konfrontation mit den Fragen: kollektive Identitäten / Chancengleichheit / strukturelle Hindernisse & Diskriminierungen
  • Input: Differenz / Identität / Gleichheit / Diskriminierung
  • Gemeinsame Definition von „Stammtischparolen“ (STP) & Sammeln von diesen
  • Simulationen anhand gemeinsam ausgewählter STP
  • Strategien und Argumente gegen STP
  • Input: Vorurteile, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, kognitive Dissonanz
  • Auflistung der Umgangsformen mit Diversität und Differenz
  • Leitbild für eine differenzbewusste (politische) Bildung und deren Methoden zur Umsetzung und Vermittlung.

Mit freundlicher Unterstützung des EU ERASMUS+ Jean-Monnet-Professur-Programms

 

NIC – Networking Inter Cultures

Interkulturelle Bildung in Österreich

Networking Inter Cultures – NIC wurde 2008 nach einer Idee von Sabine Aydt (damals Mitarbeiterin der Donau-Universität Krems – DUK) in Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für Politische Bildung (ÖGPB) und dem Interkulturellen Zentrum (IZ) als Netzwerk-Projekt ins Leben gerufen. (Nach Ausstieg der DUK aus der Kooperationspartnerschaft ist die Universität Innsbruck als neue universitäre Partnereinrichtung hinzugekommen.)

Der leitende Grundgedanke dabei war und ist, dass AnbieterInnen interkultureller Bildungsangebote im Rahmen eines Netzwerks

  • leichter und regelmäßiger miteinander kommunizieren sowie Inhalte, Methoden und Materialien austauschen,
  • über ihre Grundsätze systematischer diskutieren und nachdenken,
  • ihre Angebote besser aufeinander abstimmen und die Frage nach Qualität selbstgesteuert stellen und beantworten können.

Die Aktivitäten des offenen Netzwerk-Projekts NIC laufen derzeit auf zwei Ebenen:

  1. Zweijährlich stattfindende NIC-Konferenzen, deren Veranstaltung turnusmäßig eine Organisation übernimmt. Bis jetzt gab es sieben Konferenzen (Krems 2008, Wien 2009, Wien 2010, Krems 2012, Wien 2014, Wien 2016 und Innsbruck 2018).

  2. Unregelmäßige Treffen von interessierten Personen und VertreterInnen der Bildungseinrichtungen als begleitende/beratende Sitzungen zu jährlicher Konferenzorganisation, welche aber auch darüber hinaus fortgeführt werden und den Netzwerkgedanken umsetzen sollen.

 

Die 8. NIC-Konferenz findet am 6. und 7. Oktober 2022 unter dem Titel „Differenz und Bildung“ in Innsbruck statt.

 

IGPB-Tagung 2021: Was kann man glauben?

Eine Veranstaltung der Interessengemeinschaft Politische Bildung (IGPB)

Mythen über Verschwörungen und Geheiminformationen gibt es seit Langem. Rund um die globalen Maßnahmen gegen das Coronavirus treten sie über Social Media verstärkt in den Vordergrund und führen zuweilen zu ungewöhnlichen politischen Allianzen. Die Frage, wer die Deutungshoheit besitzt oder besitzen darf, wird dabei leidenschaftlich, zum Teil aggressiv, geführt.

Wissenschaft braucht Diskussion, doch sie ist keine demokratische Bewegung, die sich nach der Mehrheit richtet, sondern nach Erforschtem, nach Fakten und konkreten Daten. Verschwörungslegenden hingegen leben davon, dass jede Falsifizierung wie eine Bestäti- gung verwendet wird, wobei Emotionen und Befindlichkeiten als Beweise missverstanden werden. Gerade Social Media sowie das Internet bieten viel Raum für jegliche Art un- oder halbwissenschaftlicher Erkenntnisse. Den Überblick zu bewahren wird daher immer komplizierter. Politische Bildung soll Menschen befähigen, Informationen beurteilen und hinterfragen zu können.

 

Migrantinnen der zweiten Generation als Fachkräfte in der Erwachsenenbildung – mig2eb

2012 - 2014

Das von ESF und BMUKK geförderte Projekt "Migrantinnen der zweiten Generation als Fachkräfte in der Erwachsenenbildung – mig2eb" beschäftigt sich mit der Frage, wie diese Bevölkerungsgruppe in der Erwachsenenbildung repräsentiert ist und welche strukturellen Bedingungen den Zugang zum Berufsfeld der Erwachsenenbildung erschweren respektive ermöglichen.

Angesichts des durch Migration bedingten demographischen Wandels sehen sich die Einrichtungen der Erwachsenenbildung/Weiterbildung mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Das anwendungsorientierte Forschungsprojekt hat sich in diesem Sinne zum Ziel gesetzt, zum Prozess einer "interkulturellen Öffnung" der Erwachsenenbildung/Weiterbildung beizutragen, um Chancengerechtigkeit im Zugang zu Weiterbildung – als Angebotsstruktur wie auch als Berufsfeld – zu verankern.

Im Rahmen der Forschung wird ein Kriterienkatalog zur interkulturellen Öffnung von Erwachsenenbildungseinrichtungen erstellt. Die ÖGPB als Fachorganisation für politische Erwachsenenbildung in Österreich wird im Laufe des Projektes ihr gesamtes Bildungsangebot anhand dieses Katalogs und mit Blick auf die Zielgruppe einer inhaltlichen, methodologischen und organisatorischen Überprüfung unterziehen. Eine solche Evaluation und Implementierung können – aufgrund des Charakters der ÖGPB-Bildungsangebote als Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen für Lehrkräfte – einen Beitrag zu einer gesamten Öffnung dieses Bildungssegments leisten.

Projektpartner: Bundesinstitut für Erwachsenenbildung (bifeb), Institut f. Erziehungs- und Bildungswissenschaft der K.F.-Universität Graz.

Gefördert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und aus Mitteln des Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur.

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