Schwerpunktthemen

(A) Europäisches Jahr der Bürgerinnen und Bürger 2013: Community education und Gemeinwesenarbeit

2013 jähren sich der Maastrichter Vertrag und somit die Unionsbürgerschaft zum zwanzigsten Mal. Aus diesem Anlass widmet die Europäische Kommission das Europäische Jahr 2013 dem Thema „Bürgerinnen und Bürger“. Bei den formulierten Zielen geht es neben der Aufklärung der EU-BürgerInnen über ihre bestehenden Rechte (insbesondere das Recht auf Freizügigkeit) auch um die Förderung zur Teilnahme an politischen Entscheidungsprozessen. Auch „Zusammenhalt und gegenseitiges Verständnis der BürgerInnen“ werden im Kommissionsvorschlag hervorgehoben. Die ÖGPB wird im Zusammenhang mit dem EU-Jahr 2013 Projekte fördern, die sich der Gemeinwesenarbeit bzw. der community education verschreiben und diese als Bestandteil politischer Bildungsarbeit begreifen. Community education wird dabei als „ermächtigende Bildung und soziale Entwicklungsarbeit mit Individuen und Gruppen in deren Gemeinwesen nach formalen wie informellen Methoden“ definiert. Erwünscht sind auch Projekte, die sich mit dem politischen Aspekt der Unionsbürgerschaft, aber auch mit deren ausschließenden Konsequenzen (Stichwort: Drittstaatsangehörige) befassen.


(B) Postdemokratie und soziale Gerechtigkeit: Kritische Fragen nach Demokratie heute

Was bedeutet Demokratie heute in demokratisch verfassten Gesellschaften; was sind ihre Mängel, und welche Gefahren drohen ihr? In den öffentlichen und wissenschaftlichen Debatten der letzten Jahre wurden diesbezüglich zwei Hauptlinien von Kritik deutlich. Die erste bemängelt wirkliche Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger an Entscheidungsprozessen und stellt fest, dass demokratischen Verfahren heute zunehmend eine nur mehr instrumentelle Bedeutung zukomme. Diese kritische Argumentation, die unter dem Titel Postdemokratie diskutiert wird, verweist darauf, dass alle wichtigen, das Gemeinwohl betreffenden Entscheidungen von einer (Wirtschafts-)Elite getroffen und bloß zwecks Bestätigung dem Souverän zum Votum vorgelegt würden. Die zweite Kritiklinie betrifft die fehlende soziale Gerechtigkeit, insbesondere in Verteilung von Gütern und Zugang zu öffentlichen Ressourcen, aber auch von sozialen Chancen. Diese Kritik beklagt die Ausblendung der sozialen Gerechtigkeit im Schein eines formal und abstrakt begriffenen Gleichheitsgrundsatzes und verlangt nach einer Umverteilung. Projekte und regionale Initiativen, die unter dem Gesichtspunkt dieser kritischen Argumente zur öffentlichen Diskussion über den Zustand der Demokratie beitragen, werden besonders gefördert.


(C) Politische Bildungsarbeit mit/von MigrantInnen

MigrantInnen aus Drittstaaten und Angehörige von deren Nachfolgegeneration(en) sind in den Veranstaltungen der politischen Erwachsenenbildung bestenfalls als „Anschauungsbeispiele“ anzutreffen, viel seltener als TeilnehmerInnen und kaum als TrainerInnen und Lehrende. Politische Bildung hat diese Bevölkerungsgruppe bis heute nicht ausreichend als Zielgruppe erfasst; in den Selbstorganisationen von MigrantInnen oder in der Antirassismus- und Antidiskriminierungsarbeit wiederum spielt politische Bildung im landläufigen Sinne keine zentrale Rolle. Wie soll politische Erwachsenenbildung MigrantInnen einbeziehen, ohne den Weg eines „Lernzwangs“ oder einer „Sonderpädagogik“ einzuschlagen? Wie soll die vielzitierte „interkulturelle Öffnung“ in der Institution der politischen Erwachsenenbildung stattfinden? Kann politische Bildung ihrerseits eine emanzipatorische Rolle in der „Migrationsgesellschaft“ spielen? Projekte, die sich mit diesen Fragen (insbesondere auf praxisnahe Weise) befassen, werden von der ÖGPB gefördert.


(D) Kritische Männlichkeitsforschung

Seit den 1980er Jahren entstehen zunehmend wissenschaftliche und politische Publikationen, die unter dem Titel „kritische Männlichkeitsforschung“ emanzipatorische, vor allem feministische Ansätze aus der Geschlechterforschung auf die Analyse der Männlichkeit anwenden. Verschiedene gesellschaftliche Bereiche wie Arbeitsmarkt, Bildung oder Sexualität, aber auch Aspekte wie Gewalt, männlicher Habitus oder männliche Rollenbilder bilden dabei einzelne Untersuchungsfelder. Viele AutorInnen bezeichnen kritische Männlichkeitsforschung daher als eine Ergänzung zum Feminismus, insbesondere die Studien zur „hegemonialen Männlichkeit“. Wie können Befunde aus der kritischen Männlichkeitsforschung zur Kritik eigener (auch institutioneller) Praxis und zur Entwicklung alternativer Geschlechterverhältnisse genutzt werden? Wie können sie in der Bildungsarbeit mit Männern und männlichen Jugendlichen (Stichwort: „Bubenarbeit“) eingesetzt werden? Erwünscht sind Projekte, die sich an diesen (und weiteren) Fragen orientieren.


(E) Social Media und soziale Bewegungen

Die „Web 2.0“ genannte Entwicklung im Internet, welche Mitte der 2000er Jahre durch leicht zugängliche, kollaborative sowie die Interaktion zwischen Erstellenden und Nutzenden fördernde Formate charakterisiert wurde, findet ihren Höhepunkt nun in der Bezeichnung „Social Media“. Dieser Sammelbegriff umfasst vernetzende und Selbstorganisation ermöglichende Online-Plattformen wie Facebook, Twitter oder YouTube, aber auch Blogs und Wikis. Es ist auch kein Zufall, dass politische AktivistInnen unserer Zeit Social Media ziemlich bald für sich entdeckt haben und wirksam nutzen. Der „arabische Frühling“ ist ein symbolischer Schnittpunkt von sozialen Bewegungen und Social Media geworden. Projekte, die auf diese wechselseitige Beziehung fokussieren und sie auch für (politische) Bildungsprozesse nutzbar machen, werden gefördert.

zurück

Diese Website verwendet Cookies. Indem Sie weiter auf dieser Website navigieren, ohne die Cookie-Einstellungen Ihres Internet Browsers zu ändern, stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu.