Schwerpunktthemen

(A) Europäisches Jahr für aktives Altern und intergenerationelle Solidarität 2012

Neuere Demografieberichte und -prognosen legen nahe, dass die Europäische Union mit dem Problem einer signifikanten Bevölkerungsalterung konfrontiert ist. Um die Finanzierung des Gesundheits- und Pensionssystems weiterhin zu gewährleisten und möglichen sozialen Konflikten rechtzeitig entgegenzutreten, hat die Europäische Kommission u. a. ein Europäisches Jahr vorgeschlagen, in dem Sensibilisierung und politische Maßnahmen fokussiert werden. In entsprechenden Dokumenten forciert die Kommission Themen wie Motivation älterer Personen zur Weiterarbeit, Verbesserung von Arbeitsbedingungen, Bekämpfung der Altersarmut und aktive Beteiligung Älterer an Freiwilligentätigkeiten sowie Bildungsmaßnahmen. Die ÖGPB fördert Projekte, die sich mit diesem Europäischen Jahr 2012 – auch kritisch – befassen.


(B) Wirtschaftskompetenz von Frauen steigern

„Die Wirtschaft“ wird heute mehr denn je als übermächtiges, hochkomplexes und alle Lebensbereiche vereinnahmendes System erlebt, das Partizipationsmöglichkeiten weitgehend einschränkt. Frauen finden im herrschenden Ökonomieverständnis nach wie vor wenig Berücksichtigung als Subjekte. Zu wenig Wirtschaftskompetenz und fehlende Entscheidungsmacht bezüglich eigener Lebens- und Arbeitsrealitäten stellen gerade für Frauen eine Hürde und somit eine weitere gläserne Decke dar. Mit Hilfe von Konzepten wie Gemeinwohl, Verteilungsgerechtigkeit oder Ressourcenschonung sowie von spezifischen Bildungsmaßnahmen wie feministische Wirtschaftsalphabetisierung kann indessen die Wirtschaftskompetenz von Frauen gesteigert werden. Die ÖGPB fördert Projekte, in denen – ausgehend von Erfahrungen der Frauen – ökonomische Entwicklungen in ihren globalen Auswirkungen analysiert und Alternativen dazu entworfen werden.


(C) Politikdistanz der Jugend?

Seit Ende der 1990er Jahre ist in politikwissenschaftlichen Publikationen oder im Diskurs der politischen Bildung zunehmend von einer Politikverdrossenheit, -verweigerung bzw. -ferne junger Menschen die Rede. Wiewohl dieser oft durch empirische Studien unterlegte Befund in der „Scientific Community“ und im Fach der politischen Bildung mehrheitlich angenommen wird, sind sich die AkteurInnen in der Analyse der Gründe für eine solche Politikdistanz der Jugend in keiner Weise einig. Handelt es sich um einen gesellschaftlichen Strukturwandel; ist Politikdistanz ein gesamtgesellschaftliches Problem, oder betrifft sie nur die Jugend; geht es sogar eigentlich um ein intergenerationelles Verständigungsproblem? Projekte, die sich mit der (vermeintlichen) Politikdistanz der Jugendlichen und deren möglichen Ursachen befassen, werden gefördert.


(D) Soziale Bewegungen – Bestandsaufnahme

Das Aufkommen der sogenannten neuen sozialen Bewegungen im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts wird von vielen Seiten als Hochblüte zivilgesellschaftlichen Engagements gesehen. Entsprechend wird auch ihr welk gewordener Zustand beklagt. Wie aber sieht es denn heute mit sozialen Bewegungen aus? Was tut sich regional und weltweit? Wo strebt wer mit welchen Mitteln nach Veränderung? Was wurde und wird aus ihren vielen Forderungen? Wer und wie wird im Laufe der Zeit vereinnahmt? Was vermochte früher zu mobilisieren, und wie formieren sich die heutigen Kollektive? Erwünscht sind Projekte, die in diesem Feld historische und aktuelle Auseinandersetzungen starten.


(E) Roma und MuslimInnen als Feindbilder in Europa

Während in West- und Nordeuropa die rassistische Sündenbock-Rolle der Nachkriegszeit allmählich von „Gastarbeitern“ auf die MuslimInnen übertragen wird, bilden Roma und Sinti vor allem in Ost-, Süd- und Zentraleuropa nahezu seit Jahrhunderten ungebrochen die beliebteste Zielscheibe rassistischer Propaganda und Aktionen. Jüngste Entwicklungen wie etwa die Abschiebung von Roma aus Frankreich trotz ihrer EU-Bürgerschaft legen allerdings nahe, dass der Antiziganismus im Osten wie im Westen beheimatet ist. Warum gerade diese beiden Gruppen, Roma/Sinti und MuslimInnen, als Feindbilder fokussiert werden und warum gerade gegen diese Gruppen eine zunehmende Mobilisierung größerer Bevölkerungsteile möglich ist, sind nach wie vor offene Fragen. Die ÖGPB wird Projekte fördern, die ihren Schwerpunkt auf Roma/Sinti oder auf MuslimInnen setzen, oder aber beide Gruppen gleichermaßen in den Blick nehmen. Erwünscht sind insbesondere Projekte, die sich mit Strategien gegen diese Entwicklungen befassen.

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