Schwerpunktthemen

(A) Europäisches Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung

Mit dieser Ausrufung des Europäischen Jahres 2010 will die EU ihre politische Verpflichtung auf dem Gebiet des Sozialschutzes und der sozialen Integration bekräftigen, denn von Armut sind rund 78 Millionen EU-BürgerInnen bedroht. Obwohl die Sozialpolitik der EU in den Zuständigkeiten noch sehr begrenzt und der Öffentlichkeit wenig bekannt ist, gewinnt sie an Bedeutung. Die ÖGPB fördert Projekte, die eine kritische Auseinandersetzung mit dem Beitrag der EU zur sozialen Integration ermöglichen. Darüber hinaus sind Projekte gefragt, die sich auf nationaler/regionaler Ebene mit den strukturellen Ursachen von Armut befassen und für dieses Thema sensibilisieren. Besonders die Vererbung von Armut, die höhere Armutsbetroffenheit und -gefährdung von Frauen u.a. als Folge unentgeltlicher Fürsorgetätigkeit, Entgeltdiskriminierung und prekärer Arbeitsverhältnisse sowie Umverteilungsansätze, Grundsicherungsmodelle etc. können thematisiert werden. Erwünscht ist die Einbeziehung Betroffener in die Projektkonzeption.


(B) Feministische Theorie und Politik heute – Bestandsaufnahme

Im Gegensatz zur engen Verbindung von Frauenpolitik und -forschung der 1970/80er Jahre haben sich Gleichstellungspolitik und feministische Theorie mit zunehmender Institutionalisierung auseinander gelebt. Gender Mainstreaming, Gender Budgeting, Diversity Management und weitere auf Gendergerechtigkeit abzielende „top down“-Strategien sind erfreulich populär, laufen aber Gefahr, Machtstrukturen festzuschreiben, ökonomischer Instrumentalisierung zu dienen und nicht über Absichtserklärungen hinaus zu kommen. Feministische Theorien wiederum bleiben marginalisiert, öffentlichkeitswirksam inszeniert sich nur die popkulturelle Spielart des Postfeminismus. Es stellt sich die Frage, wo Frauenbewegungen mit ihren Kämpfen für soziale Gerechtigkeit und Partizipation heute stehen? Gefördert werden Projekte, die diesbezüglich eine Bestandsaufnahme des individuellen, des institutionellen und des gesellschaftlichen Handelns und Theoriebildens darstellen.


(C) Digitale Spaltung – Analyse, Maßnahmen, Strategien

Anfang der 1970er Jahre entstand die Hypothese von der „Wissenskluft“: Wirtschaftlich besser gestellte und/oder höher gebildete Bevölkerungssegmente nehmen demnach massenmediale Informationen schneller auf und nutzen sie besser als wirtschaftlich schwächere und „bildungsfernere“. Die rasante Entwicklung der Neuen Medien vergrößerte diese Kluft, seit Mitte der 1990er Jahre wird in diesem Zusammenhang von einer Digitalen Kluft (digital gap) bzw. Digitalen Spaltung (digital divide) gesprochen – mit Verweis auf die hinzugekommene Dimension der Ungleichheit beim Zugang zur Technologie (Computer oder Breitbandinternet) und zur Nutzungskompetenz. Neben formaler Bildung und wirtschaftlichem Status wird die Digitale Kluft auch von Faktoren wie Alter, Gender, ethnische Zugehörigkeit etc. gespeist. Im globalen Maßstab findet diese Spaltung zwischen dem Norden und dem Süden statt. Erwünscht sind Projekte, die eine kritische Reflexion über Digitale Kluft sowie über (insbesondere didaktische) Maßnahmen zu deren Überwindung ermöglichen.


(D) Globales Lernen und Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Erwachsenenbildung

Das Stichwort, womit das 21. Jahrhundert eingeläutet wurde, heißt Globalisierung, und sie stellt neben wirtschaftlichen, politischen und sozialen auch pädagogische Herausforderungen dar. So entstanden Bildungskonzepte, die darauf abzielen, Gegenwart und Zukunft unserer Welt in ihren globalen Zusammenhängen in den Blick zu bekommen. „Globales Lernen“ ist ein solches Konzept, das partizipative und integrative Lernmethoden forciert. Ausgehend von den Nachhaltigkeitsdebatten jüngerer Zeit entstand auch das Konzept „Bildung für nachhaltige Entwicklung“, dem die UN-Weltdekade 2005-2014 gewidmet ist. Es stellt u. a. den Versuch dar, regionale und globale entwicklungs- und umweltpolitische Einsichten im Bildungsbereich zusammenzuführen. Gefragt sind insbesondere Projekte, die sich der Umsetzung dieser Bildungsaspekte in der Erwachsenenbildung annehmen. Vermittlung und Vernetzung von in der Erwachsenenbildung bereits bestehenden Projekten zum Globalen Lernen bzw. zur Bildung für nachhaltige Entwicklung sind ebenfalls erwünscht.


(E) Krieg und bewaffnete Konflikte in der Gegenwart

Wiewohl Kriege für uns in Europa in weite Ferne gerückt scheinen und auf der Agenda der politischen Bildung – bis auf wenige Ausnahmen – eher als „historischer Stoff“ Platz finden, spielen sie weltweit eine noch immer sehr große Rolle. In der Fachliteratur wurde der Begriff „neue Kriege“ (H. Münkler) formuliert, um auf die veränderten Bedingungen, Parteien und Führungsmodi der gegenwärtigen Kriege hinzuweisen. Große Bekanntheit erlangte die These S. Huntingtons, die Kriege der Gegenwart würden vornehmlich aus kulturellen Motiven geführt werden. An welchen Merkmalen auch immer das „Neue“ gegenwärtiger Kriege festgemacht wird – aufgrund seiner weltweiten Existenz und der damit verbundenen politiktheoretischen sowie ethischen Fragen ist Krieg nach wie vor ein wesentliches Thema für politische Bildung. Projekte im Bereich der Erwachsenenbildung, die sich mit der Analyse von Krieg und bewaffneten Konflikten sowie mit den präventiven Strategien dagegen auseinandersetzen, werden gefördert.

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